Alfred zur Linde – Freimaurer Essen

Mitgliedschaft

Nein. Sie müssen weder ein bestimmtes Studium noch besonderes Vorwissen mitbringen. Bei uns sitzen Handwerker neben Akademikern, Berufsanfänger neben Ruheständlern. Was zählt, ist die Bereitschaft, offen zuzuhören, mitzudenken und an sich zu arbeiten. Alles Weitere lernen Sie nach und nach im Kreis der Brüder.

In unserer Loge nicht. Wir sind nach englischer Tradition eine reine Männerloge. Frauen sind von der Freimaurerei aber keineswegs ausgeschlossen: Es gibt eigenständige Frauenlogen sowie gemischte Logen anderer Lehrarten. Interessierten Frauen empfehlen wir, sich an die Frauen-Großloge von Deutschland zu wenden. 

Nein, ein Drängen auf Mitgliedschaft ist in der Freimaurerei nicht erlaubt. Ein Gästeabend ist unverbindlich und dient dem gegenseitigen Kennenlernen. Sie können Fragen stellen, Brüder treffen und einen Eindruck gewinnen und in der Folge weitere Schlüsse ziehen.

Ja, jederzeit. Die Loge ist rechtlich ein Verein, aus dem man wie aus jedem anderen austreten kann. Dennoch sollte der Beitritt gut überlegt sein, denn die Mitgliedschaft ist als langfristige, im besten Fall lebenslange Verbindung gedacht. Eine Probemitgliedschaft auf Zeit gibt es daher nicht.

Nein. Es steht Ihnen frei, offen über Ihre Zugehörigkeit zu sprechen, und viele unserer Brüder tun das auch. Vertraulich behandeln wir in diesem Zusammenhang allein zweierlei: die Namen der anderen Mitglieder, die nur diese selbst preisgeben sollten, und das, was uns ein Bruder im Vertrauen sagt. Ihre eigene Mitgliedschaft gehört Ihnen, und Sie entscheiden, wem Sie davon erzählen.

Das Leben in der Loge

Die Johannisfreimaurerei, in der wir arbeiten, kennt drei Grade: Lehrling, Geselle und Meister. Mit der Aufnahme beginnen Sie als Lehrling. Nach einer Zeit des Hineinwachsens werden Sie zum Gesellen und später zum Meister befördert. Diese Grade sind Stufen einer persönlichen Entwicklung. Eine Rangordnung der Macht ist damit nicht gemeint, und einen besseren Menschen macht kein Grad allein aus jemandem.

Mit der Aufnahme beginnt Ihr eigentlicher Weg. Als Lehrling lernen Sie in Ruhe die Symbole, Gebräuche und Gedanken der Freimaurerei kennen, begleitet von erfahrenen Brüdern. Mit der Zeit übernehmen Sie selbst kleine Aufgaben, halten vielleicht Ihren ersten Vortrag und werden in die höheren Grade befördert. Wie schnell das geht, hängt von Ihnen ab. Die Loge versteht sich als ein Weg ohne Ziellinie, auf dem man ein Leben lang weiterlernt.

Die Symbole stammen aus dem Werkzeug der mittelalterlichen Steinmetzen: Winkelmaß und Zirkel, der raue und der behauene Stein, das Senkblei. Sie wirken wie Denkwerkzeuge, die Verstand und Gefühl ansprechen und zur Selbstreflexion anregen. Der weiße Schurz erinnert an den Lederschurz der alten Bauleute und steht für Arbeit und eine aufrichtige Gesinnung. Die „Tempelarbeit“ ist ein feierlicher, festgelegter Ablauf, der den Alltag ausblendet und einen Raum der Besinnung schafft. Ihre Wirkung ist nichts Magisches; sie wirkt schlicht auf den Menschen, der sie erlebt.

Die Tempelarbeit ist die rituelle Zusammenkunft im Logenraum. Sie folgt einem überlieferten Ablauf mit Wechselreden, Symbolen und Musik. In der Mitte steht oft ein Vortrag eines Bruders, die „Zeichnung“, zu einem ethischen, symbolischen oder gesellschaftlichen Thema; er will zum Nachdenken anregen.

Als weitere Veranstaltungen gibt es brüderliche Gespräche, Gästeabende und festliche Arbeiten wie Aufnahmen oder das Johannisfest. Im Anschluss sitzt man häufig bei einem gemeinsamen Essen, dem „Brudermahl“ oder der „Tafelloge“ beisammen.

Die Freimaurerei stellt sich nie vor Ihre Familie. Familie und Beruf haben immer Vorrang, und eine gute Loge nimmt darauf Rücksicht. Daneben lebt das Logenleben auch von der Geselligkeit: Zu Festen, Ausflügen und unserem Kulturprogramm sind oft Partnerinnen und oft die ganze Familie herzlich eingeladen. Viele Angehörige schätzen die Freundschaften, die dabei entstehen.

Die Freimaurerei in der Welt

Eine Loge ist die örtliche Gemeinschaft, in der die Brüder zusammenkommen und arbeiten; „Alfred zur Linde“ in Essen ist eine solche Loge. Mehrere Logen schließen sich zu einer Großloge zusammen, die gemeinsame Regeln pflegt und die Freimaurerei nach außen vertritt. Wir gehören zur Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland. Das eigentliche Logenleben aber findet immer vor Ort statt, in der einzelnen Loge.

Als „regulär“ gelten Logen wie unsere, die Männer aufnehmen, die Anerkennung eines höheren Prinzips voraussetzen und international anerkannt sind; in Deutschland sind sie in den Vereinigten Großlogen von Deutschland zusammengeschlossen. „Liberale“ oder adogmatische Logen verzichten auf diese Bedingungen, nehmen teils Frauen auf oder arbeiten gemischt. Beide Richtungen teilen viele Werte, erkennen sich aber förmlich nicht gegenseitig an. „Alfred zur Linde“ ist eine reguläre Loge und damit Teil der weltweiten Kette regulärer Brüder.

Ja, und das ist eine der schönsten Seiten der Mitgliedschaft. Als Mitglied einer regulären Loge sind Sie überall auf der Welt in anderen regulären Logen willkommen, ob in Hamburg, Wien oder New York. Viele Brüder nutzen das auf Reisen, um Logen zu besuchen und neue Menschen kennenzulernen. Es genügt, sich vorher anzumelden und seine Ausweisdokumente mitzubringen.

Service-Clubs wie Rotary oder Lions sind verdienstvolle Organisationen, deren Schwerpunkt auf gemeinnütziger Arbeit und beruflichem Austausch liegt. Bei der Freimaurerei steht die Arbeit an der eigenen Person im Vordergrund, getragen von Ritual und Symbolik über die drei Grade hinweg. Wohltätigkeit gehört auch bei uns dazu, doch das Herzstück ist der innere Weg und die Freundschaft, die daraus erwächst. Berufliches Netzwerken ist bei uns ausdrücklich kein Zweck.

Ja. Tätige Menschenliebe gehört seit jeher zur Freimaurerei. Schon die alten Bauhütten sorgten für Kranke, Witwen und Waisen, und bis heute unterstützen Logen wohltätige Zwecke, oft im Stillen und ohne großes Aufsehen. Auch „Alfred zur Linde“ engagiert sich für soziale und kulturelle Anliegen in Essen und darüber hinaus. Wohltätigkeit verstehen wir als selbstverständlichen Teil der Arbeit an einer menschlicheren Gesellschaft.

Freimaurerei und Gesellschaft

Die Loge als Ganzes ist parteipolitisch neutral und fasst keine politischen Beschlüsse. Parteipolitische Streitgespräche bleiben ebenso wie konfessionelle aus dem Tempel heraus, damit Männer aller demokratischen Überzeugungen brüderlich zusammenkommen. Als Einzelner darf sich jeder Bruder politisch unhinterfragt engagieren, solange er die freiheitlich-demokratische Grundordnung und die Menschenrechte achtet. Erst wo diese Grundwerte selbst bedroht sind, bezieht die Freimaurerei klar Stellung.

Das beurteilen die Kirchen unterschiedlich. Die evangelische Kirche pflegt von jeher ein entspanntes Verhältnis und überlässt die Entscheidung dem Einzelnen; viele frühe Freimaurer waren Protestanten. Die katholische Kirche hält an einer offiziellen Unvereinbarkeit fest, zuletzt bekräftigt im November 2023 durch das vatikanische Glaubensdikasterium, das sich auf eine Erklärung von 1983 beruft. Aus freimaurerischer Sicht besteht kein Gegensatz: Wir verstehen uns nicht als Konkurrenz zur Kirche und lassen jedem Bruder seinen Glauben. Viele unserer Mitglieder sind praktizierende Christen.

Die Freimaurerei entstand im Zeitalter der Aufklärung und teilte deren Vertrauen in Vernunft, Bildung und die Würde des Einzelnen. In den Logen trafen sich schon im 18. Jahrhundert Menschen über die Standesgrenzen hinweg und begegneten einander als Gleiche, zu einer Zeit, als das in der ständischen Gesellschaft noch ungewöhnlich war. Ideale wie Toleranz, Gewissensfreiheit und Brüderlichkeit, die in der Loge gepflegt wurden, haben das bürgerliche Denken mitgeprägt. Einen Alleinanspruch erhebt die Freimaurerei dabei nicht; sie war eine Stimme unter vielen, die für ein humanes Miteinander geworben haben.

In über drei Jahrhunderten haben sich viele bekannte Männer der Freimaurerei angeschlossen. In Deutschland gehörten ihr Dichter und Denker wie Gotthold Ephraim Lessing und Johann Wolfgang von Goethe an, ebenso der Komponist Wolfgang Amadeus Mozart, dessen „Zauberflöte“ voller freimaurerischer Sinnbilder steckt. Auch König Friedrich der Große war Freimaurer. International finden sich Namen wie George Washington, Benjamin Franklin, Winston Churchill oder Rudyard Kipling. Solche Beispiele zeigen die Bandbreite des Bundes. Worauf es bei uns ankommt, ist aber der einzelne Mensch, gleich wie bekannt er ist.

In Deutschland sind in den regulären Großlogen rund 15.000 Freimaurer organisiert, verteilt auf etwa 480 Logen. Weltweit gehen Schätzungen von mehreren Millionen Mitgliedern aus, mit besonderen Schwerpunkten in Großbritannien und den USA. Genaue Zahlen sind schwer zu nennen, weil viele Großlogen unabhängig voneinander arbeiten und unterschiedlich zählen. Unsere Loge „Alfred zur Linde“ ist eine von ihnen und Teil dieser weltweiten Gemeinschaft.